Salsa wohin das Auge blickt

Großstadtbewohnern wird es schon längst aufgefallen sein: Deutschland ist Salsaland. In jeder großen Stadt lässt sich mittlerweile an jedem Tag eine Location finden, an der Salsa getanzt wird. Doch nicht nur Salsa, auch die anderen südamerikanischen Tänze breiten sich mehr und mehr aus. Der aus Brasilien stammende Tanz Forro zieht gerade immer größere Kreise. Er hat noch längst nicht den Bekanntheitsgrad des Salsa erreicht, doch beschäftigen sich immer mehr Anhänger des Salsa mit dem Forro. Laut offiziellen Statistiken interessieren sich in Deutschland über acht Millionen Bürger sehr für das Tanzen und weiteren fünfzehn Millionen ist das Tanzen ebenfalls nahe genug, um es regelmäßig auszuüben.

Die Location muss stimmen

Damit die Stimmung gut ist und die Tänzer zahlreich erscheinen, suchen Veranstalter nach immer ausgefalleneren Locations für ihre Tanzveranstaltungen. In Köln hat sich die Salsa-Szene das Schokoladenmuseum als Hotspot auserkoren, eine wunderbare Location direkt am Rhein mit Blick auf den Dom. Viel besser geht es für einen waschechten Kölner kaum, aber auch in Hamburg, München oder in Berlin weiß man was gute Orte sind, um dem Salsa nachzugehen.

Ein gut gewählter Ort kann dem ganzen Treffen eine besondere Note verleihen, die Vorfreude der Teilnehmer ist noch größer und oft führt es ebenso dazu, dass sich die Tänzer für den besonders schönen Ort auch besonders gut kleiden. Denn auch wenn es im Grunde nur um das Tanzen geht, verleiht ein malerischer Ort den Tänzern Flügel.

Wer einmal sonntagabends in der Altstadt von Palma de Mallorca unterwegs gewesen ist, dem sind vielleicht die Salsa-Tänzer auf der kleinen Plaza oberhalb der Stadtmauern aufgefallen. Dort trifft sich die örtliche Tanz-Szene jeden Sonntag und erfreut sich nicht nur am Tanz, sondern auch an der herrlichen Aussicht auf den wunderbaren Hafen von Palma. Die ausgelassene Stimmung überträgt sich auch auf die Zuschauer, die dort meist ebenso zahlreich erscheinen.

Was zieht man zum Salsa am besten an?

Natürlich soll es bequem und gut geschnitten sein, der richtige Schuh darf auch nicht fehlen, damit es keine Blasen gibt. Was für die Männer besonders wichtig ist, sind Hemden zum Wechseln: Beim Salsa kann es hoch hergehen und da ist das Hemd schnell durchgeschwitzt. In der Regel reichen drei bis fünf Ersatz-Hemden für einen ausgelassenen Abend und ein Deo sollte auch nicht fehlen. Bei den Damen hat es sich als Vorteilhaft erwiesen, Shorts unter dem Kleid zu tragen, denn beim Salsa wird frau auch gerne mal gewirbelt. Ansonsten gibt es keine feste Kleiderordnung, auch muss es nicht in irgendeiner Form südamerikanisch wirken, dafür sorgt die Musik ausreichend genug.

Wie lange braucht man, um Salsa tanzen zu können?

Eine schwierige Frage, hier kommt es auf Talent, tänzerische Vorgeschichte und die Bereitschaft zum Üben an. Mit viel Ausdauer und Fleiß lässt sich mangelndes Talent sehr gut kompensieren. Generell lässt sich sagen, dass man nach drei bis sechs Monaten intensiven Übens eine gute Figur auf der Tanzfläche abgeben kann. Das Lernen hört aber im Grunde niemals auf. Es gibt immer etwas zu verbessern und immer wieder eine neue Figur zum Einstudieren.

Die Tradition deutscher Volkstänze

Wenn das Volk tanzt, macht es aus dem Leben ein Fest. Es erzählt mit seinen traditionellen Tänzen Geschichten: über einen alten Handwerksberuf, wie beispielsweise im Töpfertanz in Hessen, oder die Brautwerbung, wie im Kragelunder Brauttanz, einem Heimattanz aus Schleswig-Holstein. Die Tänzerinnen und Tänzer tragen bei diesen Volkstänzen Trachten, die oft sehr aufwendig hergestellt werden. So zeigen beispielsweise die Edelweißhosenträger aus dem Allgäu handgestickte Alpenblumen. Die Blusen der Frauen werden bei den deutschen Trachten oft mit Baumwollspitze abgesetzt. Außerdem tragen die Frauen zum Volkstanz Schmuck und je nach Tanz und Gegend Kopfbedeckungen, die wie bei der Lauterbacher Trachtengilde e. V. Radhauben sein können. Die Männer tragen beim Tanz auch Trachtenhüte.

Kultureller Ausdruck mit Geschichte

Die deutschen Volkstänze werden teilweise zwar auf dieselbe Art benannt, sie unterscheiden sich jedoch oft von einer Gegend zur nächsten. Zudem gibt es Tänze, die im Norden, und Tänze, die im Süden, wie dem Alpenvorland, gezeigt werden. Sie sind jedoch immer kultureller Ausdruck mit Geschichte. Deshalb hatte die Kultusministerkonferenz in Deutschland im Dezember 2015 allen Grund, die deutsche Volkstanzbewegung in das ‚Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes’ aufzunehmen. Schließlich hatte diese Entscheidung auch einen Schritt auf internationaler Ebene zur Folge, denn 2016 wurde die deutsche Volkstanzbewegung auch Teil eines Übereinkommens zur Erhaltung des ‚Immateriellen Kulturerbes der UNESCO’.

Achtpaartänze und Ländler

Die Veranstaltungen, zu denen die Vereine ihre Volkstänzerinnen und -tänzer schicken, sind üblicherweise Volksfeste oder traditionelle Anlässe. So geben die Oster- und Maitänze in Deutschland oft Anlass, um die jeweiligen Tanzgruppen in der Öffentlichkeit auftreten zu lassen. Dabei folgt die Art, wie getanzt wird, bestimmten Figuren, die beim Volkstanz immer wieder aufgeboten werden. Dies können Paar-, Reihen-, Zweipaar-, Sechs- oder Achtpaartänze sein. Die Männer und Frauen formieren sich auch oft zu Kreis- oder Kegeltänzen sowie Quadrillen. Im Alpenland werden unter anderen Ländler, Polka, ein Zweifacher oder der Dreher getanzt.

Ein Auge auf die Jugend werfen

Die jeweiligen Vereine und Verbände engagieren sich in einem großen Maß in ihrer Kinder- und Jugendarbeit für die kommenden Generationen. So gründete die Lauterbacher Trachtengilde e. V. 1977 eine Kinder-und Jugendvolkstanzgruppe. Beide beteiligen sich am Vereinsleben durch Auftritte. Auch der Bayerische Trachtenverband e. V. betont in seinem Leitbild, eine aktive Gemeinschaft für alle Generationen und einer der großen Jugendverbände in Bayern zu sein. Er beabsichtigt, Jugendliche an die traditionellen Werte und Bräuche Bayerns heranzuführen. Sie erhalten so die Möglichkeit, ihren Teil in die Gesellschaft zu einzubringen.

Was auf Vereins- und Verbandsebene gilt, wird auch in der Dachorganisation der deutschen Volkstänzerinnen und Volkstänzer, der Deutschen Gesellschaft für Volkstanz e. V., DGV, gelebt. Sie hat seit über dreißig Jahren einen Arbeitskreis ‚Jugendtanz und neue Tänze’ und stellt sich unter anderem zur Aufgabe, den deutschen Volkstanz in der Jugend zu verbreiten sowie sich für die Freundschaft unter der Jugend der Welt einzusetzen.